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Es gibt Tage, an denen warten wir auf andere
Tage, an denen wir wieder gewinnen können.
Dieses Warten. Dieses Liegen! Es bedeutet
Aas werden trotz noch schlagendem Herzen.

Es gibt Tage, die öffne ich grob verdorben,
Aber ihr Umtausch bleibt ausgeschlossen.
Sei es bloß so! Da kommen noch ein paar mehr,
Immer noch einer und so weiter. Bleib es so!

Es gibt Tage, von denen ich Verlust erwarte
Und bereits gewinne, wenn es weniger wird.
Das sind die schlimmsten. Lieber verliere
Ich mit Anstand, als mich zu revanchieren.

Nach dem Feuerwerk

3.
Wir schwingen die Beine weit und stolpern, streifen
Äste und Schultern mit Entschuldigung.
Wir fühlen uns leichter und den Boden weniger schwer,
Haben noch Rauch auf den Zungen, Glanz in den Augen und
Gänsehaut
Von dem Feuerwerk.

2.
Mit ungezählten Dutzend Menschen saßen wir im Park auf
Breiten Decken, tranken warmen Sekt aus Bechern und
Sprachen knappe Sätze.
Über was war und bleibt bedauerlich, was ist und
Sich bald ändern wird. Was unüberwindbar schien,
Heute winzig wirkt und uns noch immer dient.

Im Hintergrund lief Musik davon, andante und
Auf Zehenspitzen durch den milden Winternebel.
Wir lauschten, bis die Pauken inne hielten,
Der Chor verstummte und, mutig an den Herzen reißend,
Die erste Geige das letzte Lied anstrich.

1.
Mit dem Bogen auf der Spannung schliff Sie von uns Funken,
Rieb ab die Patina von vergangenem Jahr und
Die Korrosion von dem Charakter.
Sie schliff unsere Runden scharf, die Kanten glatt und
Polierte die getrübten Blicke zu glänzenden Spiegel
Der Silvesterraketen. Den einen und anderen
Sah man heimlich die Augen wischen,
Als die Nokturne uns Minne spielte.
Wir verstehen: Nur der Blitze wegen.

01.1
Wir klopften Rücken, drückten Hände,
Riefen Gutes durch den Jubel und tranken, pflichtbewusst,
Den letzten Schluck auf gestern zum Prost.
Wir gaben uns die großen Worte und festen Gesten,
Für die uns ohne Reibung die Funken fehlen.
Ich denke, es braucht wohl etwas Rausch und Nebel,
Uns auf unbekannten Wegen geborgen zu fühlen.

Wir laufen aufwärts auf abschüssigen Böden,
Stolpern, streifen und umgehen die Dutzend.
Wir träumen vor uns,
Hin gehen wir allein und
Es ist ein weiter Weg
Bis zum nächsten Feuerwerk.

Wer zu sein

Wer ist schon ganz er selbst?
Wer schon.

Auf Ihn ist Verlass,
Dass er zum richtigen Ort pünktlich kommt und
Anruft, wenn es später wird.
Das er bei Grün über die Ampel geht und
Auf dem Fahrrad Zeichen gibt.
Das er diplomatisch bleibt,
wenn ihm diktiert wird und
Sich krümmt, nicht bricht.
Nickt, nicht hängen lässt.

Wer ist unschuldig.
War wieder zur richtigen Zeit an einem anderen Ort,
Hat nichts gesagt, nichts gesehen und nichts gehört.
Er weiß wie es ist, niemand zu sein,
Aber Niemand weiß es umgekehrt.

Warmwasser Kühlschrank

Einsame Herzen, kalte wohl auch,
Rechnen Nebenkosten auf’s Komma genau.
Freunde sind Gäste sind „Wer braucht da so lange im Bad?“ und
Wenn es nicht die eigenen sind,
Macht man eben noch den Abwasch –

Freunde bis zur Dusche und nicht weiter.
Rechne immer: Halbes Wasser. Auch,
Wenn du nicht wissen kannst, wie viel der Tank fasst.
Besonders dann!
Merke dir die verzogenen Dielen,
Laufe nachts nur leichte Schritte aber
„Schleich‘ nicht, du Dieb!“

Kühlschrank ist Minenfeld ist Krieg,
Trink lieber Leitungswasser (wenn niemand duscht!)
Und schweige zu jedem Vorwurf.
Sonst dauert dein Besuch
Kürzer als der Jogurt.