Darüber reden

Wir verabschieden uns mit der Begrüßung und
Einer Umarmung ohne Berührung. Drücken uns
Um einander und besprechen mit anderen,
Was wir uns nicht zu sagen haben.

Wir wissen genügend Dinge, über die wir nicht reden und
Zu viel von einander, um etwas daran zu ändern.
Wir treffen uns auf dem kleinsten Nenner, darüber
Zählt nichts, was wir uns schuldig sind.

Nur Schlieren, graue, feine Risse im Klima,
Halten uns wachsam und auf Abstand voneinander.
Der Zigarettenrauch, in Sedimenten, liegt leicht
Auf schweren Themen und verwirbelt in den Gesten.
Wir ziehen, würgen, husten und spucken
Neue Ufer für die alten Kältebrücken.

Wir begrüßen uns für den Abschied, wünschen
Gutes mit Anstand, aber ohne Absicht.
Türauf, Türzu, Schulterblick gehen wir
Entgegen gesetzt nach hause zurück.

Die Garderobe auf dem Armchair,
Schuhe im Flur und mit den Füße Beton schwer duschen;
Drei, fünf, zehn Minuten Kopf nach unten, Zähneputzen.
Dann aus dem Regen in den Nebel treten,
In den Spiegel grinsen und von weißen Schneidezähnen
Blut lecken.

Rasumichin talks

Ein paar Zeilen, die mich in Schuld und Sühne von Dostojewski verliebt gemacht haben und die ich ungern vergessen möchte.
Ein dicker Buchtipp, besonders für graue Herbsttage:

Erlaubt!“ unterbrach ihn Pulcheria Alexandrowna schüchtern, das aber bestärkte ihn nur in seinem Eifer.
„Was denkt Ihr?“ rief Rasumichin, lauter werdend, „meint Ihr, ich rede darüber, daß andere irren? Unsinn! Ich liebe es, wenn man irrt! Der Irrtum ist das einzige, was die Menschheit vor allen anderen Lebewesen voraus hat. Wenn man irrt, gelangt man zur Wahrheit! ich bin deshalb Mensch, weil ich irre. Zur reinen Wahrheit kann man nicht gelangen, ohne vierzigmal geirrt zu haben, oder auch hundertvierzigmal, und das ist ehrenvoll in seiner Art. – Irre nur, aber irre auf deine Weise! In der eigenen Weise zu irren ist fas besser als Wahrheit auf fremde Weise. Im ersten Falle ist man Mensch, im zweiten ein plappernder Papagei. Die Wahrheit wird nicht davolaufen, aber man wird nicht verstehen, sie zu finden. Dafür hat’s Beispiele genug gegeben! Was sind wir? Wir alle, alle ohne Ausnahme, stecken noch in den Kinderschuhen in bezug auf die Wissenschaft, die Erziehung, unser Denken, unsere Erfindungen, unsere Ideale, Wünsche, Urteile und Erfahrungen! Es gefällt uns, mit fremdem Verstand auszukommen, wir haben Geschmack daran gefunden! Ist’s nicht so? Habe ich recht?“ Rasumichin schüttelte und drückte die Hände der Damen. „Ist’s nicht so?“
Seite 212 f.

Im Gästehaus


Der Raum in Rauch

Der Raum in Rauch! Da schmoren ihre Zungen an der Feuertonne!
Die Stiefel blieben neu für drei Wochen, dann gewaschen und
Zu mutig getrocknet – Wie lang war ich draußen?
Barfuß Holz geholt, gestapelt, die spitzen Schritte auf dem
Rückweg angehalten und – Wie lang stand ich dort,
Geschaut, gestaunt und flach geatmet?

Tür auf, Fenster auf.
Raus mit Rauch, auch mit Wärme und
Unter den Ahnenbildern und Gemälden der Großeltern,
Erste Landbesitzer, Pioniere, wickel ich die Decke enger.
Die erschöpften, müden: zufriedenen Gesichter schweigen laut von
Ihrer Ära, wurden gefordert und gesundet an vielen tausend
Wilden Hektar. Vor der Tür, da, dort eben!
Wir stehen mitten drin, das Geheimnis ist:
Keine Grenze ziehen.

Der Sommer bleibt erneut drei Wochen fort,
Ist spät, kommt nie, bleibt aus und ohne Scheite im Ofen
Starrt die Kälte nachts bis in die Knochen.
Zwei Stunden Schlaf, dann feuern für
Zwei weitere Stunden Schlaf und
Die Nächte sind lang.

Die Groschenromane der verzogenen Bewohner flackern
Seite für Seite an die Glut in weißer Asche.
Wer wen im Wilden Westen liebt und
Wie viel Schmerz ein Indianer spürt,
Ist für die Flammen noch gut genug.
Wer sollte es sonst lesen. Vielleicht ist es an mir,
Den Kram, das Zeug, den Plunder und Vergangenheit
Unter den Bambus zu bringen. Wahrscheinlich unangemessen.
Bestimmt nicht erwünscht – er hätte nach Zeitungen fragen können!

Die Hitze hat Ameisen im Gebälk geweckt.
Sie ziehen zu tausenden ihre schwarzen Wege über
Kreideweiße Wände und finden im Garten zu den alten Nestern.
Ich gebe Ihnen, so gewollt und so genehmigt,
Gift in Zucker mit auf Reisen. Kehrte nach und
Räumte auf, es war und ist nicht mehr ihr Haus.

Die Scheite sind aus.
Bald darauf meine Arbeit,
Ich nehme nichts.

Die Stiefel sind Handwerk genug, laufen noch einen Tag und
Den nächsten und den danach.
Ich schließe hinter mir und lasse dort,
Das wieder kalte Gästehaus.

Selbst ist der Hass


End of the road

Da sagte einer:
„…irgendwas irgendwas und Selbsthass ausleben!
Hat ja jeder!“ und grinste verschmerzt.
Ich nickte und weiß schon, was er meint.

Soll ich mir die Blöße geben?
Ist es Zeit, zu gestehen?
Na, es ist eine Blamage:
Das ich meinen mal verlegt und
Nicht mehr gefunden haben.

Wie man es mit Sachen macht: Suchen.
Gründlich nachsehen an den unmöglichsten Orten und
Noch einmal, noch gründlicher, noch unmöglicher.
Dann ärgern, aufgeben und neu kaufen,
Bei der Gelegenheit ein besseres Modell
Von Selbstbewusstsein.

Wo ist mein Selbsthass.
Um die alte Meterware ist es nicht schade,
Wer ihn findet, darf ihn behalten –
Ich empfehle aber, ihn schnell wieder zu verlieren.
Hatte nur Ärger damit.

36 Zeichen

Es gibt Tage, an denen warten wir auf andere
Tage, an denen wir wieder gewinnen können.
Dieses Warten. Dieses Liegen! Es bedeutet
Aas werden trotz noch schlagendem Herzen.

Es gibt Tage, die öffne ich grob verdorben,
Aber ihr Umtausch bleibt ausgeschlossen.
Sei es bloß so! Da kommen noch ein paar mehr,
Immer noch einer und so weiter. Bleib es so!

Es gibt Tage, von denen ich Verlust erwarte
Und bereits gewinne, wenn es weniger wird.
Das sind die schlimmsten. Lieber verliere
Ich mit Anstand, als mich zu revanchieren.

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